Vor ein paar Tagen erschien bei mir die Nach­richt, dass Digi­kam 20 Jah­re alt gewor­den ist. Digi­kam ist ein Bild­ver­wal­tungs­tool, aber auch ein RAW-Kon­ver­ter und kann auch mit Video-Datei­en umge­hen. Ich benutz­te das Tool aus etwas mehr als 10 Jah­re. Die Geschich­te begann unter Linux und ich moch­te das Pro­gramm direkt.

Splash screen der Version 7.4.0.
Splash screen der Ver­si­on 7.4.0.

Spä­ter gab es einen Wech­sel zu Win­dows. Es hat nur ganz wenig geru­ckelt und Digi­kam wur­de immer bes­ser. Ich benut­ze es trotz­dem nur als rei­ne Bild­ver­wal­tung. Die für Bild­be­ar­bei­tung und RAW-Kon­ver­tie­rung arbei­te ich mit ande­ren Tools etwas lie­ber. Trotz­dem kann Digi­kam enorm viel, viel­leicht sogar zu viel.

Open­So­ur­ce

Es ist ein Open­So­ur­ce-Tool. Es gibt also kei­ne Kos­ten, weder für Abo noch für eine Stand-Alo­ne-Ver­si­on. Das Pro­gramm wird von Enthu­si­as­ten ent­wi­ckelt. Nor­ma­ler­wei­se gibt es zwei neue Ver­sio­nen im Jahr und früh genug gibt es eine Beta-Ver­si­on, die so sta­bil ist, dass man mit ihr gut arbei­ten kann.

Geschwin­dig­keit und Datensicherung

Die Geschwin­dig­keit ist rich­tig gut. Mein Archiv beinhal­tet heu­te ca. 130.000 Fotos. Die Ver­wal­tungs­da­ten­bank als SQL-Lite-Daten­bank besteht aus nur weni­gen Datei­en, die sich schnell sichern lassen.

Verwaltungsdatenbank beim Einsatz von SQL-Lite.
Ver­wal­tungs­da­ten­bank beim Ein­satz von SQL-Lite.

Bei so einer Anzahl von Fotos ist es gut, wenn die Daten­bank auf einer SSD-Plat­te liegt. Die größ­te Datei ist die Datei mit den Vor­schau­en der RAW-Fotos. Beson­ders für die­se Datei ist es gut, wenn sie auf einer sehr schnel­len Fest­plat­te liegt.

Wer noch etwas mehr Geschwin­dig­keit benö­tigt, kann sich einen Umstieg auf eine MyS­QL-Daten­bank (Maria-DB) über­le­gen. Mei­ne Erfah­run­gen unter Win­dows sind jedoch ziem­lich frus­trie­rend, was die Instal­la­ti­on unter Win­dows betrifft. Außer­dem ist die Siche­rung der Daten wesent­lich kom­ple­xer als das Kopie­ren von den weni­gen Ver­wal­tungs­da­tei­en unter SQL-Lite (die­se las­sen sich mit einem ein­fa­chen Skript sichern).

Digi­kam emp­fiehlt SQL-Lite nur bis 100.000 Fotos. Mei­ne Samm­lung ist jetzt schon grö­ßer als die Emp­feh­lung und das, ohne Pro­ble­me. Trotz­dem soll­te ich mir lang­sam Gedan­ken machen, wie ich das Archiv zukunfts­si­cher gestal­ten will. Die Fra­ge ist also, nicht ob, son­dern wann ich mich mit dem The­ma doch noch mal beschäf­ti­gen muss.

Auswahl der Datenbank.
Aus­wahl der Datenbank.

Da man bei Digi­kam den Spei­cher­ort für die Daten­bank frei fest­le­gen kann, muss man sich kei­ne Gedan­ken machen, dass man ggf. nicht wie­der zurück zu einer Ver­si­on wech­seln kann, die funk­tio­niert. Außer­dem gibt es eine Funk­ti­on für die Migra­ti­on der Daten­bank. Damit las­sen sich alle Infor­ma­tio­nen von einem Typ zum ande­ren auto­ma­tisch übertragen.

Auf jeden Fall bin ich mir sehr sicher, dass ich unter Win­dows kein MyS­QL-Ser­ver instal­lie­ren möch­te. Sicher­lich wäre die bes­te Art der Daten­bank­ver­wal­tung. Aber die Instal­la­ti­on ist nichts für Men­schen, die nur eine zuver­läs­si­ge Bild­ver­wal­tung benö­ti­gen. Allein die Tat­sa­che, dass Admi­nis­tra­tor­rech­te unter Win­dows für eine Instal­la­ti­on nicht aus­rei­chen und ich ganz tief in der Regis­try gra­ben muss, sind Grün­de dafür, es sein zu lassen.

Abla­ge und Über­wa­chung der Fotos

Wei­te­rer Vor­teil: Die Fotos lie­gen direkt auf dem Datei­sys­tem und kön­nen dort pro­blem­los kopiert, ver­scho­ben, umbe­nannt oder gelöscht wer­den. Dazu muss man nichts im Pro­gramm selbst machen. Somit ist man sehr fle­xi­bel, wie die Daten den Weg in die Bild­ver­wal­tung fin­den. Natür­lich kann Digi­kam selbst auch Bil­der auf ver­schie­de­nen Wegen impor­tie­ren. Für mich ist es am ein­fachs­ten, wenn ich die direkt auf Datei­sys­tem arbei­ten kann. Das Sys­tem kann die gewünsch­ten Ord­ner ent­we­der nur bei Start prü­fen oder stän­dig Kon­trol­le über den Zustand des Ord­ners habe. Dies erkauft man sich natür­lich auf Kos­ten der Geschwin­dig­keit. Wei­ter­hin kann man wäh­len, ob immer ver­füg­ba­re Ord­ner oder exter­ne Fest­plat­te ein­ge­bun­den wer­den sol­len. Bei exter­nen Fest­plat­ten gibt es dann kei­ne Feh­ler, wenn die Fest­plat­te aus­ge­schal­tet ist. Das kann jedoch unter Win­dows ein Pro­blem sein kann, wenn sich die Lauf­werks­buch­sta­ben stän­dig ändern.

Auswahl von Bildsammlungen auf verschiedenen Medien.
Aus­wahl von Bild­samm­lun­gen auf ver­schie­de­nen Medien.

Pfle­ge der Metadaten

Ich mag auch die unkom­pli­zier­te Pfle­ge der ver­schie­de­nen Meta­da­ten. Ob Datum, Beschreibung/​Autor oder Geo-Daten – dazu fin­den sich in Digi­kam Dia­lo­ge, die auch Mas­sen­da­ten­ver­ar­bei­tung erlau­ben. Dazu kommt die Stich­wort­ver­wal­tung, die eige­nes Sys­tem erlaubt und die Pfle­ge sehr ein­fach mög­lich ist. Und Digi­kam kann aus den RAW-Datei­en sehr viel mehr Daten (vor­wie­gend tech­ni­sche Daten) aus­le­sen, als die bezahl­ba­ren Tools es tun. Dar­über hin­aus sind eige­nen Vor­la­gen für ver­schie­de­ne Meta­da­ten mög­lich, um noch schnel­ler und ein­fa­cher Ord­nung in der Bild­samm­lung zu haben.

Dialog für die Anpassung der grundlegenden Metadaten.
Dia­log für die Anpas­sung der grund­le­gen­den Metadaten.
Dialog für die Anpassung von Zeit und Datum.
Dia­log für die Anpas­sung von Zeit und Datum.

Wich­tig ist, dass man die Meta­da­ten in einer sog. Side­car-Datei schrei­ben lässt und nicht in die Datei selbst. So wird eine klei­ne Datei mit der Erwei­te­rung *.xmp zusätz­lich geschrie­ben und kann auch von ande­ren Pro­gram­men gele­sen wer­den. In Digi­kam hei­ßen die­se Datei­en “Fili­al­da­tei­en”.

Digi­kam kann zwar auch die Meta­da­ten direkt in die RAW-Bild­da­tei schrei­ben, das dau­ert aber län­ger und kann dazu füh­ren, dass die Bild­da­tei zer­stört wird.

Einstellungen für den Umgang mit Sidecar-Dateien.
Ein­stel­lun­gen für den Umgang mit Sidecar-Dateien.

Außer­dem lohnt es sich, das spä­te­re Schrei­ben der Meta­da­ten zu akti­vie­ren. So ist Digi­kam schnel­ler: man macht alle sei­ne Ände­rung und lässt alle Ände­run­gen in einem Schritt spei­chern. So gewinnt man eini­ges an Geschwin­dig­keit. Beson­ders bei Ände­run­gen an grö­ße­ren Bild­men­gen ist das spä­te­re Schrei­ben der Meta­da­ten ein grö­ßer Vorteil.

Lazy loading von Einstellungen in die Datenbabank.
Lazy loading von Ein­stel­lun­gen in die Datenbabank.

Wei­te­re Funktionen

Natür­lich kann auch Digi­kam Stern­chen, Farb­mar­kie­run­gen, Gesichts­mar­kie­rung und ‑erken­nung (das geht sogar mit Tie­ren), auto­ma­ti­sche Erken­nung der Bild­qua­li­tät, ver­schie­de­ne Export­mög­lich­kei­ten und ca. Tau­send ande­re Sachen. Außer­dem kann man die­ses Tool mit eige­nen Skrip­ten erwei­tern. Dazu gibt es eine net­te Samm­lung von “Rezep­ten”, was alles mög­lich ist.

Ein klei­ner Wermutstropfen

Es gibt eine Klei­nig­keit, die man bei der Ein­rich­tung von Digi­kam beach­ten muss. Stan­dard­mä­ßig wer­den nur Datei­ty­pen ange­zeigt, die ent­we­der sehr ver­brei­tet sind oder eine gut ein­ge­bet­te­te Vor­schau haben. Lei­der gehö­ren die Datei­en aus Affi­ni­ty Pho­to nicht dazu. Trotz­dem kann man dem Pro­gramm es bei­brin­gen, dass es auch die­se Datei­en zeigt, auch wenn ohne Vorschau.

Einstellungen für angezeigte Dateitypen.
Ein­stel­lun­gen für ange­zeig­te Dateitypen.
Anzeigen von Dateien ohne auslesbare Vorschau.
Anzei­gen von Datei­en ohne aus­les­ba­re Vorschau.
Anzeigen von Dateien mit auslesbarer Vorschau.
Anzei­gen von Datei­en mit aus­les­ba­rer Vorschau.

Fazit

In den letz­ten 20 Jah­ren hat sich sehr viel bei Digi­kam getan. Das Pro­gramm wur­de erwach­sen und fun­giert immer mehr als Werk­zeug für alle visu­el­len Medi­en und nicht nur für Fotos. Ich bin mir ziem­lich sicher, dass ich nicht mehr als 3% der ange­bo­te­nen Funk­tio­nen benut­ze. Aber die­se 3% sind so gut, dass sie alle mei­ne Wün­sche an eine schnel­le und sta­bi­le Bild­ver­wal­tung erfül­len. Trotz­dem bin ich sehr neu­gie­rig, was man sich in den kom­men­den Jah­ren alles ein­fal­len lässt.

Vorschau der Fotos mit Metadaten wie Datum, Größe, Stichwörter, Farbmarkierungen und dominante Farbe.
Vor­schau der Fotos mit Meta­da­ten wie Datum, Grö­ße, For­mat, Auf­lö­sung, Stich­wör­ter, Farb­mar­kie­run­gen und domi­nan­te Farbe.

Update

Beim Schrei­ben die­ses Blog­bei­trags dach­te ich noch mal dar­über nach, auf MyS­QL (mit MariaDB) umzu­stei­gen. Und das ist tat­säch­lich recht pro­blem­los gelun­gen. Man hat eini­ges dafür getan, dass auch das Sichern der Daten­bank ein­fa­cher wird und sie an einem gewünsch­ten Ort ange­legt wer­den kann. Die Instal­la­ti­on lief recht pro­blem­frei. Auch die Migra­ti­on der Daten­bank war kein Pro­blem. Da man mit einer neu­en Daten­bank auch die Bild­samm­lung neu ein­rich­ten und ein­le­sen muss, soll­te man etwas Zeit ein­pla­nen. Aber es ist eine gute Gele­gen­heit, um zu prü­fen, ob man sei­ne Samm­lung nicht reor­ga­ni­sie­ren will. Die neue Daten­bank ist in mei­ne Daten­si­che­rung ein­ge­bun­den. Die alte Daten­bank bleibt als Back­up noch eini­ge Zeit da.

Erst Erfah­run­gen sind, dass der Zugriff auf die Vor­schau­en der Bil­der tat­säch­lich deut­lich schnel­ler gewor­den ist. Der Rest wird sich im Lau­fe der Zeit zei­gen, ob sich der Umstieg gelohnt hat.